Was machen die OWL Karolinger eigentlich im Winter?

Wie sieht es wohl aus bei den OWL Karolingern im Winterlager? Wir legen die Füße hoch und entspannen vor dem Fernseher, in mild freudiger Erwartung der nächsten Saison? Aber nein! Hier wird emsig geschnitzt, geschraubt und gehämmert, gesponnen und gewebt, gebraut, geplant, experimentiert und natürlich ganz viel recherchiert! Im April geht es bei uns wieder los und wir haben jede Menge vor. Neben einer komplett neuen Ausstattung für unseren Krämer (Unterkleidung, Tunika und Hose, Wadenwickel und Hut) fehlt es an passender Kleidung für den Nachwuchs, an Kleinigkeiten wie Haarbändern und Hauben, Strümpfen und Beuteln. Während das Grutbier (hoffentlich) vor sich hinfermentiert, muss auch noch Seife für unseren Waschtag gekocht werden. Klingt stressig? Ja, er ist nicht ohne, unser Winter“urlaub“.


Zugegeben, viele der kleineren Tätigkeiten führe ich tatsächlich abends gemütlich vor dem Fernseher aus. Tagsüber rauben schließlich Erwerbsarbeit und Studium die kostbare Saisonvorbereitungszeit. Im Moment beschäftigt mich ein kleineres Webprojekt aus handgesponnener Wolle. Hier entsteht der Besatz für die Krämertunika, in Gleichgratköper im Zickzack gewebt. Untypischerweise habe ich hier keine Kontrastfarbe zum Grundstoff gewählt, sondern ein farblich passendes Grün im Schuss und brauner Wolle als Kettgarn. Ich bin gespannt, wie es zusammen wirkt, nebeneinander gehalten finde ich es zumindest sehr hübsch.

Neben kleinen Probewebstücken ist der Besatzstoff/das Band das erste Projekt auf dem neuen alten Webstuhl (ein achtschäftiger Handhebelwebstuhl von Varpapuu, sicher über 30 Jahre alt). Entgegen aller Befürchtungen ist das Bäumen und Litzenstechen mit eingehender Webrahmenerfahrung kein Problem – zumindest bei so schmalen Geweben. Bis zu 80 cm sind auf dem Webstuhl möglich, mal schauen, was sich da noch für Probleme ergeben. Auch die Verarbeitung von handgesponnenem, unverzwirntem Garn funktioniert wunderbar verglichen mit dem Gatterkammwebrahmen. Die Kette ist etwas fester gedreht, als ich es mit Strickgarn halte und möglichst gleichmäßig gesponnen. So braucht es nicht einmal Schlichte, um die Fäden zu glätten. Das Muster wurde so gewählt, dass es mit vier Schäften gewebt werden kann, nichts allzu extravagantes für einen einfachen Krämer (und bestimmt auch etwas zu grob für einen Besatz). Im Moment geht mir das Weben jedenfalls so gut von der Hand, dass mir bereits größenwahnsinnige Projekte von Umschlagtüchern, Decken und Schleiern durch den Kopf schwirren. Da ich allerdings größtenteils Handgesponnenes verarbeite, wird dafür erstmal wieder fleißig das Spinnrädchen surren und die Handspindel hüpfen müssen. Vor dem Fernseher. Versteht sich.



OWL-Karolinger

Handwerk und Alltag im Frühmittelalter